Das Mietshäusersyndikat

„Was ist das eigentlich genau? Woher kommt das? Wozu braucht man das?“

Ein Unternehmensverbund statt Genossenschaft, Miete zahlen statt Altersvorsorge betreiben – egal, wo man ideologisch beheimatet ist: Vielen Menschen kommt die Idee des Mietshäusersyndikates (Kurz: MHS) merkwürdig vor. Deshalb möchten wir an dieser Stelle noch einmal vertieft auf dieses Thema eingehen.

Das MHS versteht sich als basisdemokratisch arbeitendes Netzwerk mit Knotenpunkten in ganz Deutschland, welches gemeinschaftlich verwaltete Häuser unterstützt und vernetzt. Es wurde 1992 in Freiburg im Breisgau gegründet und ist mittlerweile an 117 Wohnprojekten mit insgesamt ca. 2800 Bewohnern beteiligt.

Die Grundidee ist, Menschen unabhängig von ihrem Vermögen günstigen und lebenswerten Wohnraum selbstverwaltet zur Verfügung stellen und die Immobilie und deren Bewohner*innen vor weiterer kommerziellen Verwertung zu schützen.

Die Unterstützung des MHS besteht aus drei Säulen:

  1. Vermittlung von Erfahrung bzgl. Gruppenorganisation, Finanzierung, Erwerb, Bau und Ausbau von Immobilien
  2. Solidartransfer zwischen leistungsfähigen und finanzschwächeren Projekten über einen gemeinschaftlich verwalteten Solidarfonds
  3. Absicherung des Projektes, Verhinderung von Missbrauch des Gemeinschaftseigentumes, z.B. des Verkaufes

Realisiert wird v.a. der letzte Punkt über ein rechtliches Konstrukt, in deren Zentrum die sogenannte Hausbesitz-GmbH steht (siehe Grafik). Diese GmbH besitzt zwei Gesellschafter*innen: Erstens den Hausverein, in dem die Bewohner*innen des Hauses organisiert sind und zweitens die Mietshäusersyndikat GmbH, welche gemeinsam durch alle beteiligten Hausprojekte basisdemokratisch verwaltet wird. Beide Gesellschafter haben in der GmbH Stimmenparität, so dass Verkauf oder Umwandlung nur einvernehmlich möglich sind und damit verhindert werden können. Alle anderen Entscheidungen zum Haus liegen in der Hand der Bewohner*innen. Diese haben gleichzeitig die Möglichkeit, sich auf der viermal jährlich stattfindenden Mitgliederversammlung im Mietshäusersyndikat einzubringen.

Auf diesem Wege hat das Haus juristisch gesehen zwar einen Eigentümer (Hausbesitz-GmbH), praktisch existiert jedoch keine reelle Person oder ein Unternehmen, das eigenmächtig von außen über das Haus entscheiden kann. Auf der anderen Seite sind die Bewohner*innen zwar rechtlich keine Eigentümer, aber trotzdem im Besitz ihres Hauses mit allen Möglichkeiten, Rechten und Pflichten – so lange sie Bewohner*innen sind. Das Haus ist dem Markt entzogen, das bedeutet, die Mieten werden auch bei einem steigenden Mietspiegel langfristig konstant bleiben. Das Ziel ist, dass die Mieten so günstig wie möglich sind, damit niemand aufgrund seines Einkommens seine Wohnung und soziales Umfeld aufgeben muss.

Auf der Webseite des MHS lassen sich vertiefende Informationen auch über Projekte aus dem europäischen Ausland finden.

Im 65 minütigen Film „Das ist unser Haus!“ erläutern Akteure des Mietshäuser Syndikats das Modell und präsentieren vielseitige Projekte in unterschiedlichen räumlichen Kontexten.