Unser Projekt

„Worum geht es?“

Auf dem Dedesdorfer Platz in Bremen-Walle hat die Stadt Bremen im Sommer 2018 ein Grundstück ausgeschrieben, auf welches wir uns als Baugruppe beworben und den Zuschlag im Dezember 2018 erhalten. Hier möchten wir ein gemeinsames Wohnhaus für 10 erwachsene Personen + Kinder errichten.  Gleichzeitig sind wir Teil eines Dachkonzeptes unterschiedlicher Projekte, welche sich die Belebung des Platzes als Zentrum und Begegnungsstätte des Stadtteils zum Ziel gesetzt hat.

Der Bremer Stadtteil Walle liegt am rechten Weserufer etwa 3 km nordwestlich vom Stadtzentrum entfernt und hat ca. 28.000 Einwohner*innen. Mitten im Zentrum befindet sich der Dedesdorfer Platz (die „Waller Mitte“) – ein momentan brachliegender Sportplatz, der bis vor einigen Jahren vom Bremer Sportverein 1906 (BSV) genutzt wurde. Als der Sportverein seine Sportflächen 2010 an einen anderen Ort verlagerte, sah die Stadt in dem Platz das Potenzial für die Schaffung von neuem, hochpreisigem Wohnraum. Dieses Vorhaben rief unter den Bewohner*innen des Viertels großen Protest hervor und führte zur Gründung der Bürgerinitiative „Waller Mitte“, die sich seitdem dafür einsetzt, den Platz weiterhin als Freizeitfläche nutzen zu können.

In einem langen, interaktiven Prozess einigte sich die Bürgerinitiative mit der Stadt Bremen darauf, den Großteil des Platzes als öffentliche Grünfläche zu gestalten und nur die Flächen am Rande des Platzes als Baugrundstücke zu verkaufen. Das Besondere daran: Die Grundstücke wurden explizit für Baugemeinschaften ausgeschrieben und sind nach Festpreis bzw. Konzept vergeben worden.

Die Geschichte des Platzes und das Engagement der Bürgerinitiative zeigen, dass die Waller Mitte für den Stadtteil eine besondere Bedeutung hat und ein gemeinsamer Treffpunkt für viele Anwohner*innen ist. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, diesen Status zu erhalten. Dazu befinden wir uns in einem intensiven Austausch mit anderen interessierten Baugruppen und Vertreter*innen der Nachbarschaft. In einem gemeinsamen Dachkonzept haben wir Ideen zur kreativen Gestaltung des Platzes, Bereitstellung öffentlicher Räume (z.B. Fahrradwerkstätten, Versammlungsräume etc.) und geplanter Veranstaltungen ausgearbeitet. Wir möchten uns mit Angeboten für Jung und Alt einbringen und mit dazu beitragen, dass der umkämpfte Platz ein lebendiger Ort bleibt.

Finanzierung (Kurzform)

Die Organisation des Bauprojektes, der Hausverwaltung und der Gruppe wird nach dem Modell des „Mietshäuser Syndikats“ (MHS) erfolgen. Das MHS ist ein Unternehmensverbund ähnlicher, selbstverwalteter Wohnprojekte, der seit 1992 besteht und mittlerweile die Bewohner*innen von etwa 140 Häusern vernetzt. All diesen Häusern ist gemein, dass sie ohne klassische Eigentumsstruktur auskommen.

Wie das funktioniert, wird in der untenstehenden Abbildung skizziert. Die Mieter*innen des geplanten Hauses sind in unserem Hausverein wallerleben e.V. organisiert, Eigentümerin wird jedoch eine separate „Hausbesitz-GmbH“, welche vom Verein und vom MHS als Gesellschafter*innen kontrolliert wird. So sind die Bewohner*innen also rechtlich gesehen Besitzer*innen ihres Hauses, aber keine Eigentümer*innen, was für sozial orientierte Gruppenprojekte wie unseres viele Vorteile mit sich bringt.

So stellt das MHS z.B. sicher, dass das Haus nicht ohne ihre Zustimmung verkauft wird und dass die Mieteinahmen ausschließlich zur Deckung der Bewirtschaftungskosten sowie zur Bedienung von Krediten verwendet werden. Die Entnahme von Gewinnen durch die Gesellschafter*innen wird ebenso verhindert. Das Haus wird dadurch „dem Wohnungsmarkt entzogen“, was Wohnraumspekulation und Vertreibung der Mieter*innen durch einen Anstieg des Mietspiegels in der Nachbarschaft (z.B. im Rahmen einer Gentrifizierung) wirksam verhindert. Dieses Modell ist mittlerweile so erfolgreich, dass es  von sozial orientierte Banken unterstützt wird.